Die
Cherokee-Sprache (Tsalagi)
Cherokee gehört zum südlichen Zweig der
irokesischen Sprachfamilie. Cherokee ist ein Wort aus der Sprache der Muskogee-Creek
und bedeutet "Volk einer anderen Sprache", sich selbst nennen die
Cherokee heute "Tsalagi", welches eine lautliche Abwandlung des Wortes
Cherokee ist, da ihre Sprache kein R im Alphabet hat. Man vergleiche die Aussprache
der beiden Wörter, Cherokee = Tsche-ro-ki und Tsalagi = Tscha-la-gi, wobei
das "g" in Tsalagi eher wie eine Mischung aus den Buchstaben "g"
und "k" gesprochen wird. Cherokee wird heute von ungefähr 12
000 Menschen in den Staaten Oklahoma und North Carolina gesprochen. Das Cherokee
gehört zu den wenigen nordamerikanischen Indianersprachen, für die
eigens ein Alphabet entwickelt wurde. Im Jahre 1824 entwickelte der Cherokee-Indianer
Sequoya
ein
aus dem englischen Alphabet entlehntes Cherokee-Alphabet, welches noch heute
von beiden Cherokeefraktionen in Oklahoma und North Carolina zur Publikation
von Zeitungen benutzt wird. Sequoya wurde 1776 als Sohn eines weißen Pelzhändlers
und einer Cherokee geboren. Er heiratete eine Cherokee und lebte bis zu seinem
Tod im Jahre 1843 bei ihnen. Sequoya kämpfte im Krieg von 1812 auf Seiten
der Amerikaner unter General Andrew Jackson gegen die Briten.Wie viele weiße
Soldaten und andere Cherokee, war er ein Analpabet und konnte während seines
Kriegseinsatzes keine Briefe nach Hause schreiben.
Selbst
wenn er Englisch hätte schreiben können, hätte es niemand in
seinem Dorf lesen können. Von der Fähigkeit der Weißen schriftlich
miteinander zu kommunizieren fasziniert, trug er sich mit dem Gedanken, eine
eigene Schrift für sein Volk zu entwickeln.

Sofort
nach seiner Heimkehr machte er sich an die Arbeit und schuf vom Vorbild der
englischen Buchstaben inspiriert ein 86 Zeichen umfassendes Alphabet. Die erste
Person, der er sein neues Alphabet vorstellte war seine kleine Tochter Ayoka.
Nachdem er viele Jahre an diesem Alphabet gearbeitet hatte und mit seiner Tochter
mit diesen Zeichen kommunizieren konnte, stellte er sein Werk anderen Cherokee-Indianern
vor, von denen es begeistert aufgenommen wurde. Innerhalb weniger Monate wurden
aus tausenden von Cherokee-Analphabeten Menschen, die seine Schrift lesen konnten.
Bis zum Jahre 1825 waren der größte Teil der Bibel und verschiedene
christliche Hymnen ins Cherokee übersetzt worden. Im Jahre 1828 begann
man mit dem Druck einer zweisprachigen Zeitung, dem Cherokee Phoenix, Unterrichtsmaterialien
und Gesetzestexten.
Trotz ihres Willens,
sich den Zivilisationsvorstellungen der europäisch-amerikanischen Eroberer
anzupassen und mit ihnen in Frieden zu leben, fielen die Cherokee dem vom amerikanischen
Kongress am 28.05.1830 verabschiedeten Indian Removal Act (Umsiedlungsgesetz)
zum Opfer, welches besagte, dass alle Indianer östlich des Mississippi
in das damalige Indianerterritorium Oklahoma deportiert werden sollten.

Eine
am 12.12.1830 eingereichte Klage gegen die Zwangsumsiedlung wurde vom obersten
Gerichtshof der USA mit der Begründung abgewiesen, dass die Cherokee keine
US-Bürger wären und völkerrechtlich nicht als souveräne
Nationen galten. Demzufolge könnten sie auch nicht in als Partei in einem
Rechtsstreit vor einem amerikanischen Gericht auftreten. ( siehe Seite 62, das
Indianerlexikon, Ulrich van der Heyden, Lamuv_verlag, Göttingen, 1997)
Fünf Jahre später, im Winter 1838/39 wurden der Hauptteil der Cherokee-Nation
auf dem bekannten Trail of Tears (Pfad der Tränen) unter Bewachung der
US-Armee zwangsweise nach Oklahoma transportiert. Von den ca. 18 000 deportierten
Cherokee überlebten nur ca. 4000 den grauenvollen Fußmarsch durch
die winterliche Kälte. Der größte Teil der Deportierten starb
auf dem Weg an Hunger, Kälte und Erschöpfung.
In Oklahoma angekommen, schlossen sich die Cherokee mit den ebenfalls aus ihren
Heimatländern vertriebenen Choctaw, Creek, Chickasaw und den Seminolen
zu einem Bund der Five Civilized Nations zusammen.
Etwa 800 - 1000 Cherokee, wie auch einigen Angehörigen anderer Stämme
gelang die Flucht in unwegsame Gebiete, weshalb trotz dieser Zwangsumsiedlungsmaßnahme
auch heute noch kleinere Gruppen der vertriebenen Stämme leben, denen man
zum späteren Zeitpunkt Reservationen in ihren ehemaligen Heimatländern
zur Verfügung stellte. So haben wir es heute mit zwei Gruppen von Cherokee
zu tun, einer in Oklahoma und einer zahlenmäßig kleineren Gruppe
in North Carolina. Während die größere Gruppe in Oklahoma durch
Mischehen mit Amerikanern und anderen Indianerstämmen einen großen
Teil ihres kulturellen Erbes und ihrer Sprache verloren haben, sind die Cherokee
durch die Abgelegenheit ihres Reservats hoch in den dicht bewaldeten Great Smoky
Mountains North Carolinas noch ziemlich traditionell geblieben. Ihre Bevölkerungszahl
ist dort auf etwa 8000 - 12000 angewachsen.

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