Indianersprachen
als Geheimwaffen im II. Weltkrieg
Allerdings wurden auch Mitglieder anderer Stämme von anderen Abteilungen des Militärs als Codetalker eingesetzt, obgleich es sich hier um wesentlich kleinere Abteilungen handelte, die für die US Army und für die Air Force vorwiegend in Europa kämpften. Bereits im I. Weltkrieg hatten indianische Codetalker für das amerikanische Militär gegen Deutschland gekämpft. Mit dem Eintritt der USA in den II. Weltkrieg erinnerte man sich ihrer und so wurden im Jahre 1941 in Ft. Benning, Georgia, siebzehn Comanche-Indianer als Codetalker ausgebildet , von denen aber nur 14 auf europäischem Kriegsgebiet eingesetzt wurden.

Comanche - Codetalkers (Ft. Benning/Georgia 1941)
Es waren eben diese 14 Comanche Codetalker, die vom 4. Infanterie Regiment der US-Army rekrutiert und eingesetzt wurden. Wie bei den Navaho Codetalkern wurde auch die Sprache der Comanche mit Geheimcodes verschlüsselt und waren selbst für einen Comanche nicht gleich zu verstehen. Der Codename, den die Comanchen für Adolf Hitler erfanden lautete: Po'sa Taibo (Crazy White Man = Verrückter Weißer Mann).

Charles Chibitty
Einer der 14 in Deutschland eingesetzten Comanche Codetalkers war der am 20.Juli 2005, im Alter von 83 Jahren verstorbene Charles J. Chibitty. Er war bei der Invasion in der Normandie dabei und kämpfte auch auf deutschem Boden.
Bei einem seiner drei Besuche im Pentagon berichtete er über seine Erfahrungen in der Indianerschule in Lawton, Oklahoma, wo seine Lehrer wütend wurden und ihn bestraften, wenn er die Sprache seines Volkes sprach. Und dann, 20 Jahre später wollte man, dass er seine Sprache benutzte, um Geheimbotschaften des Militärs zu übermitteln.
Eine Eliteeinheit des United States Marine Corps kämpfte mit Worten einer, für nicht-indianische Ohren, hoch komplizierten fremden Sprache. Es handelte sich um die Codetalker vom Volk der Navaho. Ihr auf ihrer Stammessprache mit chiffrierten Botschaften kombinierter Geheimcode wurde nie gebrochen und bis in die späten 60 ziger Jahre als Militärgeheimnis behandelt. Während des II. Weltkrieges wurden die Navaho Codetalker im Kampf gegen die Japaner im Pazifik eingesetzt


Sgt. Philip Johnston Okt. 1942

Navaho - Codetalkers (Camp Elliot/California 1940)
Der Code, den die Navaho-Funker aus ihrer Sprache entwickelten war einfach und effektiv und basierte auf einer Kombination englischer Buchstaben mit Navahoworten und den zuvor genannten codierten Navahobegriffen aus der Tier - und Pflanzenwelt. Der ursprüngliche Code bestand aus 211 englischen Begriffen, die am häufigsten im militärischen Bereich aufkamen. Es gab Begriffe für militärische Vorgesetzte unterschiedlicher Rangordnung, verschiedene Flugzeuge, Worte für die Monate und ein weiterführendes allgemeines Vokabular. Im Folgenden eine kleine Aufstellung von übersetzten englischen Worten ins Navaho, basierend auf dem uns bekannten Alphabet.
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Navaho-Wort
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Englisches
Wort
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Deutsches
Wort
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Wörtl.
Übersetzung
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Besh-be-cha-he
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German
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Deutscher
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Eisenhut
(Stahlhelm)
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Beh-na-ali-tsosie
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Japanese
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Japaner
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Schlitzauge
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Hash-kay-gi-na-tah
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Commanding
Officer
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Befehlshabender
Offizier
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Kriegshäuptling
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Ne-as-jah
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Observation
Plane
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Aufklärungsflugzeug
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Eule
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Ca-lo
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Destroyer
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Zerstörer
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Hai
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Besh-lo
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Submarine
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U-Boot
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Eisenfisch
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A-ye-shi
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Bombs
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Bomben
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Eier
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Vom einzelnen Code
Talker wurde erwartet, dass er alle Begriffe auswendig konnte. Der Code war
so verschlüsselt, dass selbst ein Navaho, der nicht als Code Talker ausgebildet
war, keine Chance hatte ihn zu verstehen.
Ein Beispiel dafür lieferte der ehemalige Kriegsgefangene Sgt. Joe Kieyoomia,
der im Jahre 1942 auf den Philippinen in die Hände der Japaner fiel und
3 ½ Jahre in verschiedenen Gefangenlagern verbrachte. Kieyoomia berichtete
später über seine Gefangenschaft und sagte er sei gleich zu Anfang
gefoltert worden, weil seine Bewacher ihn auf Grund seines Namens für
einen japanisch-stämmigen Amerikaner hielten.
"Ich sagte ihnen, ich wäre Navaho", sagte Kieyoomia. (
.)
"Sie glaubten mir nicht", sagte er und schüttelte den Kopf.
"Das Einzige, was sie über Amerikaner wussten war, dass es Schwarze
und Weiße gab. Ich glaube sie wussten gar nichts von Indianern."
Nachdem er monatelang wiederholt geschlagen wurde, glaubten ihm die Japaner
seine Navahoabstammung, aber die Folter die dann folgte war viel schlimmer.
Zuerst wurde er von zwei japanischen Frauen besucht, die Navahoworte aufschrieben
und nach der Bedeutung fragten. Kieyoomia, der nicht als Codetalker ausgebildet
war und die Bedeutung der codierten Worte nicht kannte, übersetzte Worte
wie Schildkröte und Vogel, denn wie sollte er wissen, das die Schildkröte
Panzer oder Vogel Hubschrauber bedeutete.
Was auch immer die Japaner aus ihrem Gefangenen herausprügelten, die
Antworten brachten sie keinen Schritt weiter.
Hohe amerikanische Militärs gaben später zu, dass sie die Schlacht
um die Insel Iwo Jima niemals ohne die Hilfe der Codetalker gewonnen hätten.
Etwas über 400 Navaho-Indianer wurden in den Jahren von 1942 - 1945 als lebende Chiffriermaschinen eingesetzt. Schätzungsweise 100 von ihnen leben noch. Erst voriges Jahr wurden sie vom amerikanischen US-Senat für ihre Verdienste geehrt. Bis dahin konnten sich viele Amerikaner nicht vorstellen, dass Indianer entscheidend im Kampf gegen die Achsenmächte mitgewirkt hatten.

Karl Kee Crawford (Navaho - Codetalker)

Überlebender Navaho Codetalker

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