Der amerikanische Historiker Roy Meyer vertritt die Ansicht, dass der Franzose Jean Nicolet diesen Namen von den Winnebago gehört hat, die er um 1639 in ihrem damaligen Wohngebiet, in der Gegend von Green Bay in Wisconsin besucht hatte. Der Name, den ihm die Winnebago sagten, lautete Nadowessiu. Dies wäre ein Wort aus der Sprache der Ojibwa ( ein zur damaligen Zeit mit den Sioux verfeindeter Stamm), welches aus den zwei Worten Nadou (Schlangen) und Sioux (klein) zusammengesetzt wurde. Die Franzosen verkürzten das Wort zu Sioux, welches dann später im englischen Sprachgebrauch übernommen wurde. Auch im Deutschen finden wir das Wort heute mit gering veränderter Aussprache wieder.
Die Sioux selber
nennen sich Dakota, was soviel wie Freunde oder Verbündete bedeutet.
Im Verlauf des 18. Jahrhunderts verließen größere Gruppen
der Dakota unter dem Druck der feindlichen Ojibwa, ihre angestammte Heimat
im Gebiet des heutigen Minnesota. Sie zogen westwärts in die Areale der
heutigen amerikanischen Bundesstaaten Nebraska, North und South Dakota und
Teile von Montana und Wyoming.
Diese Wanderungen, die sich natürlich über einen längeren Zeitraum hinzogen und in verschiedene Richtungen verliefen, führten zu leichten Veränderungen der Sioux-Sprache, die sich in verschiedene regionale Dialekte aufspaltete, den D - Dialekt der Dakota, den L-Dialekt der Lakota und den N-Dialekt der Nakota.
Zu erwähnen wären auch noch der Assiniboine - Dialekt, eine von den Yankton-Sioux abgespaltene Sprachgruppierung, welche den N-Dialekt spricht, und den Stoney-Dialekt, eine von den Assiniboine abgespaltene Sprachgruppierung, die man in Kanada antrifft.
Der Unterschied zwischen den drei erstgenannten Dialekten besteht im wesentlichen darin, dass viele Worte, die von den Dakota mit D, von den Lakota mit L und von den Nakota mit N ausgesprochen werden, z.B. das Wort "Vogel" hört sich in den verschiedenen Dialekten folgendermaßen an:
Zintkala (Lakota) Zintkana (Nakota) und Zintkada (Dakota)
Die durch die verschiedenen Dialekte hervorgerufenen Abweichungen der Sioux-Sprache führen jedoch nicht zu Verständigungsschwierigkeiten der Gruppen untereinander. Die Teton, wegen ihres L-Dialekts auch Lakota genannt, stellen mit einer Population von etwa 60000 bis 80000 Menschen die größte sprachliche Gruppierung unter den Sioux.

Der Einfluss des Christentums auf die Sioux - Sprache und andere Indianersprachen
Sprachen sind nicht statisch, sondern einem ständigen Wandlungsprozess unterworfen. Wie alle Sprachen der Welt, so veränderte sich auch die Sprache der Dakota im Laufe der Zeit. Die durch die Wanderungen bedingte Aufsplitterung in verschiedene Dialekte trug weniger zu ihrer Veränderung bei, als der Kontakt mit den Vertretern der euro-amerikanischen Kulturen und der Einfluss christlicher Missionare verschiedener Konfessionen.
Lebewesen und Gegenstände, die den Indianern vorher unbekannt waren, mußten irgendwie benannt werden, und so kam es zu einer Reihe interessanter Wortschöpfungen, wie wir an den folgenden Beispielen sehen können.
Sunka Wakan (Pferd) wurde aus dem Wort für Hund (Sunka) und mysteriös, heilig (wakan) gebildet. Wörtlich könnte man also das Lakota - Wort für Pferd, mit mysteriöser oder heilger Hund übersetzen. Der Umstand, dass Hunde vor dem Auftauchen der Europäer als Lasttiere benutzt wurden, mag ebenfalls zu dieser Bezeichnung beigetragen haben.
Christliche Missionare führten die Einteilung der Monate in Wochen bzw. der Wochen in Tage ein, was die Sprache der Dakota um die Wochentage von Montag bis Sonntag bereicherte.
Aber nicht nur Wortneuschöpfungen veränderten die archaische Sprache. Viele Worte bekamen auch eine andere, bzw. noch eine zweite, zusätzliche Bedeutung. Der Begriff Wakan Tanka (Großer Geist, Großes Geheimnis) beschrieb zum Beispiel ursprünglich sehr treffend, die geheimnisvolle, schöpferische Kraft des Universums. Heute kann diese Bezeichnung leicht missverstanden werden, denn sie wird sowohl von christlichen Indianern als Bezeichnung für Gott gebraucht, als auch von traditionellen Lakota in Bezug auf die frühere Bedeutung.
Da die Dakota, wie viele andere Indianervölker vor der Reservationsperiode, der Schrift unkundig waren, ist es wiederum auf den Einfluss von Vertretern des Christentums zurückzuführen, dassdie gesprochene Sprache in schriftlicher Form aufgezeichnet wurde. Die Missionare hatten es sich zur Aufgabe gemacht, die Indianer zum Christentum zu bekehren und zu "zivilisieren", deshalb waren die ersten Texte im Lakota und anderen Eingeborenensprachen Übersetzungen biblischer Texte, Gesangbücher und dergleichen.
Die Jesuiten zum Beispiel hatten richtige Sprachschulen, an denen die Missionare vor der Entsendung ins Missionsgebiet die Sprache der dort ansässigen Eingeborenen erlernen mussten.
Natürlich
waren die Missionare mehr an der Verbreitung des Christentums und weniger
am Erhalt der Indianersprachen interessiert. Aus diesem Grund wurden viele
Begriffe aus der religiösen Welt der Dakota so weit wie möglich
den christlichen Glaubensvorstellungen angepasst oder völlig negiert.
Auch schwer zu übersetzende Begriffe fielen bei der Zusammenstellung
von Wörterbüchern einfach unter den Tisch. So kommt es, dass die
Nachfahren assimilierter Indianer beim Wiedererlernen ihrer eigenen Sprache
auf die linguistischen Werke der Missionare angewiesen sind und somit oft
auch deren Interpretation der Indianer - Worte übernehmen. Letzteres
gilt für sämtliche Indianersprachen, weshalb ich den Begriff Indianer,
dem Begriff Dakota vorgezogen habe.

Nach der entgültigen
militärischen Niederlage der verschiedenen indianischen Nationen begann
die US - Regierung mit der kulturellen Umerziehung der von ihnen besiegten
Völker.
Die traditionelle Lebensweise der Lakota, die ihren Lebenserwerb hauptsächlich
durch die Büffeljagd betrieben, stand dem Befriedungsprozess und dem
Expansionsdrang des weißen Amerikas im Wege. Aus heidnischen Jägern
und Sammlern sollten sesshafte, vor allem aber christliche Viehzüchter
und Farmer werden.
Dies versuchte man am besten dadurch zu erreichen, in dem man die Kinder nach und nach dem "schädlichen" Einfluß ihrer heidnischen Eltern entzog und sie in christliche Internate unterbrachte, wo sie monatelang, vom Elternhaus getrennt, den Weg des "Weißen Mannes" erlernen mussten.
Schülerinnen der Bismarckschool
Hier waren sie oft den Schikanen streng gläubiger Priester und Nonnen ausgesetzt, die sich nicht scheuten psychische und physische Gewalt einzusetzen, um die "heidnischen" Seelen der ihnen anvertrauten Kinder zu retten.
Sioux-Jungen in Schuluniform, Carlisle um 1881
Obwohl die Kinder zu Beginn der Ausbildung oft kein Wort Englisch sprachen, war ihnen der Gebrauch ihrer Muttersprache vom ersten Tag an strengstens verboten. Ehemalige Schüler dieser Internate berichteten von Schlägen und davon, dass ihnen der Mund mit Seife ausgewaschen wurde, wenn sie dabei erwischt wurden, in ihrer Stammessprache zu sprechen.
Aus fröhlichen Kindern wurden schweigsame, introvertierte Marionetten, die alles taten, was man von ihnen verlangte. Wenn diese Kinder dann in den Ferien nach Haus kamen, sprachen Sie ihre eigene Sprache schlecht, konnten ihre Eltern und Großeltern kaum noch verstehen, und waren ihren Verwandten und Stammesgenossen fremd geworden.


Das Lakotamädchen Ziewie am Haskel-Institut 1878 und 3 Monate später
Die Nachkommen solcher in den Internatsschulen erzogenen Indianerkinder teilten das Schicksal ihrer Eltern. Um ihren Kindern ihren eigenen Leidensweg zu ersparen und ihnen das Leben in den Internatsschulen erträglicher zu machen, verzichteten viele indianische Eltern darauf, ihren Kindern die eigene Sprache beizubringen und unterhielten sich mit ihnen nur noch auf Englisch.
Dass auf diese Weise viele indianische Sprachen ausgestorben bzw. vom Aussterben bedroht sind, ist nicht verwunderlich.
Von den ehemals über 500 - 600 Indianersprachen in Nordamerika sind noch etwa 150 übrig geblieben, ein Drittel davon ist akut vom Aussterben bedroht. Laut einer Studie des Oglala Lakota Colleges aus dem Jahre 1996 gehört die Sioux - Sprache mit all ihren Dialekten mit zu den vom Aussterben bedrohten Sprachen.
Das untere Diagramm
zeigt die prognostizierte Abnahme von Lakotasprechern auf der Pine Ridge Reservation.

Wiederbelebungsversuche indianischer Sprachen
Durch das neu erwachte Selbstbewußtsein der Indianer seit dem Anfang
der 70 - iger Jahre, fand auch ein Umdenken in Bezug auf die Sprache statt.
Indianer fingen wieder an, stolz auf ihre Identität zu sein. Zeitgleich
mit der Wiederbelebung indianischer Zeremonien, wie z.B. dem Sonnentanz,
den Schwitzhütten usw. führte man in den Schulen Unterricht in
Lakota ein.
Nachdem auf verschiedenen Reservaten in South Dakota und Minnesota von Indianern
geleitete, private Schulen, die sogenannten Survival Schools gegründet
wurden, sahen sich die staatlichen Schulen gezwungen, Indianersprachen ins
Lehrprogramm aufzunehmen.
Im Gegensatz zu den Bemühungen anderer indianischer Volksgruppen mit einer geringeren Bevölkerungszahl, haben die Wiederbelebungsversuche der Lakota wenigstens eine kleine Aussicht auf Erfolg, obgleich die Sprache auf den Reservationen außer zu zeremoniellen Anlässen kaum noch gesprochen wird. Die Alten, die in den früheren Zeiten der Reservationsperiode geboren wurden und viele Leute aus der Generation der frei umherziehenden Lakota noch persönlich kannten, sind Anfang bis Mitte der 90 ziger Jahre verstorben.
"Die letzte Generation von Sprechern, die die Sprache noch fließend beherrschen ist überaltert, und bisher hat es keine wirklich erfolgreichen Versuche gegeben, die Sprache wiederzubeleben. (..). Seit den 70 iger Jahren bemüht man sich, die Lakota - Sprache im Schulunterricht einzuführen, doch keiner dieser Versuche hat bisher erfolgreich Lakota -Sprecher hervorgebracht. (...) Seit den frühen 90 ziger Jahren ist sich dasLehrpersonal des ungeheueren Ausmaßes des Sprachverlustes bewusst, aber es gibt bisher keine erfolgreiche Gegenmaßnahme. Unglücklichweise rennt die Zeit davon. Gemäß kürzlich durchgeführter Schätzungen, wird es für die Lakota - Sprache innerhalb der nächsten Generation keine Möglichkeit zur Rettung mehr geben. Vor zehn Jahren hatte mehr als die Hälfte der Bevölkerung der Pine Ridge Reservation keine Lakota - Sprachkenntnisse. Heutzutage sind drei Viertel der Bevölkerung unfähig Lakota zu sprechen. Innerhalb von zehn Jahren oder weinger werden 90 % der Bevölkerung nicht mehr in der Lage sein, Lakota zu sprechen"
(Quelle: www.lakotalanguage.org/loss.html)
Indianische Erziehung kontra Lakota - Unterricht an Reservationsschulen
Was die Qualität des Unterrichts an den Schulen betrifft, so bin ich als Beobachter und Gasthörer der Lower Brule Elementary School (Grundschule) und der Lower Brule High School ein wenig skeptisch, ob die Schüler auf solche Weise die Sprache erfolgreich vermittelt bekommen. Abgesehen davon, dass im Elternhaus niemand mit ihnen wirklich in Lakota kommuniziert, und sich der Spracherwerb wirklich nur auf den Schulunterricht beschränkt, abgesehen von den vom amerikanischen Schulsystem übernommenen Klausuren und Tests im Multiple-Choice - Verfahren ( einem Verfahren in dem der Schüler mehrere Antworten zur Auswahl hat, von denen er eine als richtig ankreuzen muß), läßt auch die Disziplin im Unterricht zu wünschen übrig.
Indianische Sprachvermittler sind in vielen Fällen didaktisch nicht, oder nur unzureichend ausgebildet. Oft übernehmen Muttersprachler aus den umliegenden Siedlungen den Unterricht und halten, ihrer Tradition gemäß, oft stundenlange Monologe über die spirituellen Aspekte der Sprache, bzw. über die Kultur der Lakota im Allgemeinen. Oft wurden drei oder vier Begriffe aus der Lakota - Sprache an die Tafel geschrieben über deren etymologische Bedeutung der Referent dann langatmig referierte.
Es gab keine zusammenhängenden Texte, keine Grammatikübungen, keine Gruppengespräche. Während die Schüler der Elementary School Bilder mit Tieren vorgehalten bekamen und sich noch begeistert am Unterricht beteiligten, in dem sie im Chor die Namen der Tiere nachsprachen, ignorierte der größte Teil der High School - Schüler den Referenten, saß desinteressiert und Kaugummi kauend, teilweise mit Füßen auf der Schulbank herum und sehnte das Ende der Stunde herbei. Einige Mädchen kicherten und schwatzten laut und ein Junge lag sogar schlafend auf dem Fußboden herum.
Was mich aber am meisten irrierte war, dass niemand diese Kinder zur Ordnung rief oder von ihnen Disziplin verlangte. Die Dozenten ignorierten das Desinteresse der Schüler und arbeiteten mit den wenigen (meist drei bis vier Schülern), die Interesse am Unterricht zeigten. Diese hatten sich nach vor zum Lehrer gesetzt und einen Kreis um ihn gebildet.
Ich muss gestehen, dass ich, als ein in Deutschland aufgewachsener und von einem europäischen Schulsystem erzogener Mensch Schwierigkeiten hatte, das zu verstehen. Nur mit viel Mühe gelang es mir, meine Enttäuschung zu verbergen. Da wird in der Indianerliteratur immer soviel von Respekt für die Alten gesprochen, wie wichtig es für "die Indianer" wäre, ihre Traditionen zu bewahren, und dann hörte ihnen niemand zu. Und die Alten akzeptierten das, ohne ihrer heimlichen Trauer oder ihrem Bedauern nach außen hin kund zu tun.
Was ich hier erlebte war, indianische Erziehung live. Niemand macht den Kindern irgendwelche Vorschriften, niemand mischt sich ein. Die Nichteinmischung ist ein wesentlicher Grundsatz der moderen indianischen Erziehung. Ob das immer so war, wage ich trotz gegenteiliger Aussagen moderner indianischer Autoren zu bezweifeln.
Liest man zum Beispiel die Autobiografien von Alexander Eastman oder Luther Standing Bear, zwei Mitte des 19. Jahrhunderts geborener Sioux - Indianer, dann stösst man unweigerlich auf Passagen, in denen eben diese noch traditionell aufgewachsenen Indianer sehr wohl von Disziplin sprachen, z.B. dass sie als Jungen dazu angehalten wurden, morgens früh aufzustehen und sich selbst bei Eis und Schnee in einem eiskaltem Fluss zu baden. Auch wurde von ihnen eine gewisse Beteiligung an der täglichen Arbeit erwartet.
Es ist für mich einerseits nicht leicht zu akzeptieren, dass viele Lakota lieber den Verlust ihrer Sprache in Kauf nehmen, anstatt sich der von ihnen verhassten Wasicu - Methoden zu bedienen, um ihre Sprache zu retten. Andererseits verstehe ich nur allzu gut, dass sie nach dem Verlust ihres Landes, der Jahrzehnte langen Bevormundung durch weiße Behörden und Beamte, es einfach satt haben, von weißer Seite ständig Predigten zu hören, wie sie sich als "echte" Indianer zu verhalten hätten.

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