Die Sprache der Delawaren (Lenape)
Ein Beitrag von Robert Götzenberger
- Von Jim Rementer -
Lenape, oder auch Delaware genannt, ist die Sprache der Delaware-Indianer. Diese Indianersprache wurde einst an der Ostküste Nordamerikas gesprochen und gehört zum östlichen Zweig der Algonkin-Sprachen wie Powhatan, Mohican, Massachusett, Naragansett, Wampanoag, Nanticoke, Abenaki und Malacite -Passamoquoddy. Andere Sprachen in dieser grossen Familie sind Cree, Ojibway, Menominee, Miami, Shawnee, Arapaho-Atsina, Cheyenne-Sutai und Blackfoot.
Deutsch sprechende Missionare der Moravian Church begannen im Jahre 1740 mit ihrer Arbeit bei den Delaware. Im laufe der Jahre schufen sie eine Anzahl von Wörterbüchern, eine Grammtikbeschreibung und Hymnen in der Lenape-Sprache, sowie ein Rechtschreibbuch zur Verwendung in Schulen. Leider vermittelten sie dieses Rechtschreibsystem, welches auf der deutschen Rechtschreibung basierte, nur an die zum Christentum konvertierten Indianer der Missionen. Hätten die Missionare allen Stammesmitgliedern Unterricht angeboten, wären die Lenape fähig gewesen weit mehr ihrer Geschichten und ihrer Historie zu bewahren. Die moravischen Missionare hinterliessen eine Anzahl von Tagebüchern über die täglichen Begebenheiten und Tätigkeiten in den verschiedenen Missionsorten, der über 100 - jährigen Arbeit mit den Delaware, nahezu alle in Deutsch.
Zur Zeit der ersten Kontakte mit den Europäern zählten die Sprecher der verschiedenen Lenape - Dialekte mindestens 12.000, oder möglicherweise sogar 25.000 Menschen. Nur zwei dieser Dialekte haben überlebt. Einer, bekannt als Munsee, wird in Kanada nahe Thamesville (Munceytown) gesprochen und auf der nahe gelegenen Moraviantown Reserve, beide in Ontario gelegen.
Der andere Dialekt, Unami, ist um Bartlesville im östlichen Oklahoma beheimatet, mit einer weiteren, eigenständigen Gruppe im westlichen Oklahoma, nahe Anadarko.Von diesen beiden scheint der Munsee-Dialekt ältere Betonungen bewahrt zu haben, während Unami mehr Betonungsveränderungen aufweist. Sprecher beider Dialekte beziehen sich auf ihre Sprache als "Delaware" oder öfters , als "Lenape". Obwohl jede der vier Delaware-Gemeinden versucht, der nur englischsprachig auf gewachsenen jungen Generation die Delaware-Sprache beizubringen, ist die Anzahl jener, welche die Sprache fliessend beherrschen, auf wenige ältere Personen zurück-gegangen.
Jetzt, im Jahre 2005 wird der Munsee-Dialekt nur noch in der Moraviantown-Gemeinde von einer Handvoll Leuten fliessend gesprochen. In Oklahoma starb Leonard Thompson im Jahre 2002 im hohen Alter von 98 Jahren. Er war der Ceremonial Chief des Delawarestammes des östlichen Oklahoma und die letzte Person die fliessend den Unami - Dialekt sprechen konnte. Eine andere Unami-Sprecherin, Lucy Blalock, starb auch betagt, im Jahre 2000. Diese und weitere arbeiteten alle daran, diese Sprache für die nachfolgenden Generationen am Leben zu erhalten.
Die Schwester von Leonard Thompson, Nora Thompson Dean (Touching Leaves Woman), die 1984 verstarb sah ihre Lebensaufgabe darin, die Stammessprache und die Traditionen ihres Volkes zu bewahren. Zusammen mit ihrem adoptierten Neffen, Jim Rementer, arbeitete sie die letzten 20 Jahre ihres Lebens an der Erschaffung von Materialien zur Bewahrung der Delaware - Sprache.

Mrs. Dean und Jim Rementer haben einen Grundsprachkurs in Lenape/Englisch herausgegeben. Nun ist die Veröffentlichung eines Grundsprachkurses in Lenape/Deutsch für interessierte Menschen in deutschsprachigen Ländern geplant. Dadurch soll die Möglichkeit geboten werden, ein besseres Verständnis über die Lenape-Indianer zu erlangen.

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Autor: Jim Rementer, Director Lenape Language Project, Delaware Tribe of Indians Bartlesville, OK
Übersetzung: Robert Götzenberger - ( lenape.deutsch@vr-web.de )
Delaware-Homepage:
www.delawaretribe.org

Abbildungen Copyright by Herb und John Kraft


Delaware (Lenape) Historie
- von Dr. Claudia Haake -

Die Delawaren sind ein Stamm nordamerikanischer Indianer und auch unter ihrem traditionellen Namen, Lenape, bekannt. Der englische Name, unter dem man sie heute kennt rührt her von Thomas West, Lord de la Warr, der 1610 zum Gouverneur von Virginia ernannt wurde. Ursprünglich lebten die Lenape in einer Region, die den südöstlichen Teil des heutigen Staates New York umfasste, sowie auch ganz New Jersey, das östliche Pennsylvania und den nördlichen Teil von Delaware. Zur Zeit ihrer ersten Kontakte mit Europäern , etwa 1524, waren die Delawaren noch keine einheitliche Gemeinschaft, kein Stamm im heutigen Sinne, sondern lebten in verstreuten, semipermanenten und unabhängigen Siedlungen. Schätzungen von Zeitgenossen zufolge umfasste der Stamm zu diesem Zeitpunkt zwischen 8.000 und 25.000 Mitgliedern.
Die Lenape lebten von einer Mischung aus Jagd, Fischerei und Ackerbau. Siedlungen waren durch ein Netzwerk von Handel, Heirat und Zeremonien verbunden. Alle Delawaren pflegten ähnliche Bräuche und sprachen eng verwandte Dialekte: Munsee und Unami. Auch benutzten sie alle den Begriff Lenape, "das Volk" oder "die Menschen", um sich selber zu beschreiben. Andere Algonkinstämme bezeichneten sie als Grossvaterstamm, in Anspielung auf ihre altehrwürdige Abstammung.
Die Delawaren waren in drei Klans unterteilt: Wolf, Truthahn und Schildkröte.Klanmitgliedschaft und Verwandtschaftsbeziehungen wurden durch die Mutter determiniert. Da sie entlang der Küste lebten hatten die Lenape sehr frühe Kontakte mit Europäern; nicht allein mit Engländern und Franzosen, sondern auch mit Holländern und Schweden. Eine der daraus resultierenden Konsequenzen war die Auslöschung ganzer Delawarendörfer , verursacht durch ihnen bis dahin unbekannte Krankheiten. Nachdem sich die ersten Europäer permanent in dieser Region niedergelassen hatten, beeinflussten sie mehr und mehr das Leben der Delawaren.
Langsam wurde der Stamm - wie viele andere auch - von seinen angestammten Ländereien verdrängt und gen Westen gezwungen. Anfangs gab es dabei vielerlei Missverständnisse aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über das Konzept von Landbesitz und - verkauf. Häufig hatten die Delawaren angenommen dass sie den Europäern lediglich ein Landmitnutzungsrecht zugebilligt hätten und im Austausch dafür Geschenke als Freundschaftsbeweis erhielten.
So verloren die Lenape in rascher Folge ganze Landstriche ihres angestammten Territoriums. Wahrscheinlich war es zu dieser Zeit, als sich Delawarenflüchtlinge in Ohio und im Tal des Susquehanna zusammenfanden, dass der Stamm, die Nation der Delawaren im heutigen Sinn geformt wurde.
Im September 1778 unterzeichneten die Vereinigten Staaten von Amerika ihren ersten formellen Vertrag mit einem Indianerstamm, den Delawaren. Dieses Dokument arrangierte eine Allianz zwischen den USA und den Lenape. Nach der amerikanischen Revolution zerbrach der Stamm in mehrere Gruppen, eine Entwicklung, die durch den Druck der Europäer verursacht worden war. Einige dieser Gruppen gingen nach Kanada, andere zerstreuten sich in verschiedene Teile der Vereinigten Staaten. Der Hauptteil des Stammes wurde wiederholt vertrieben und zog von Ohio über Indiana und Missourie nach Kansas. Von dort führte ihre bislang letzte Vertreibung die Lenape ins sogenannte Indian Territory, das heutige Oklahoma, wo sie 1867 ankamen.
Heute hat der Stamm der Delawaren sein Hauptquartier in Bartlesville, Oklahoma, und zählt ungefähr 10.500 Mitglieder. Ein weiterer Delawarenstamm ist der Delaware Tribe of Western Oklahoma, mit Hauptquartier in Anadarko. Diese Gruppe besteht aus den Nachfahren der sogenannten Absentee-Delawares mit etwa 2000 Mitgliedern. Nach 200 Jahren getrennter Existenz leben die beiden Gruppen nun weniger als 200 Meilen voneinander entfernt.
Nachfahren der Munsee-Delawaren leben heute in Wisconsin / USA unter der Stockbridge-Munsee Band of Mohicans und in drei Gemeinden in Ontario / Kanada.


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Autor : Dr. Claudia Haake, University of York, UK

 

 

 

 

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