Mythos Indianer - Als kulturelle Einheit
Obwohl
sich das Bild des Indianers in Amerika seit Anfang der 70 ziger Jahre allmählich
zu wandeln begann und immer mehr, mehr oder weniger realistische Bücher
und Filme über das Thema auf den Markt kamen, scheint es, als hätte
der deutsche Durchschnittsbürger in diesen immerhin knapp vier Jahrzehnten
etwas verpasst.
Trotz Filmen wie "Der mit den Wolf tanzt" oder "Ein
Mann den Sie Pferd nannten", die mehrfach im Fernsehen ausgestrahlt
wurden, und in denen Siouxindianer in ihrer eigenen Sprache miteinander kommunizieren,
trotz Filmen wie "Geronimo" und "Windtalker",
in denen Apache und Navaho geredet wird, halten Menschen hartnäckig an
dem Klischee fest, dass es eine gemeinsame indianische Sprache geben muss.
Wie zahlreiche Beiträge aus dem Forum meiner ehemaligen Webseite www.indianersprachen.de
belegen, hat sich beim deutschen Durchschnittsbürger seit den Tagen der
Karl-May-Filmproduktionen nur wenig am Bild des Indianers verändert.
Hier nur eine kleine Sammlung von Zitaten aus dem Forum, die das Unwissen
der deutschen Bevölkerung über "indianische" Themen belegen
sollen.
"Mein indianischer Name lautet "pure heart", würde
gerne wissen wie das in indianischer Sprache klingt."
"Hi, ich hab seit gestern ein Fohlen, das ganz schwarz ist außer
ein Huf der weiß ist, deshalb würde ich gern wissen, was "der
schwarze mit dem weißen Huf" auf indianisch heißt. Könnt
ihr mir dabei helfen?"
"Hallo ich
bin von indianischem Sternzeichen Wolf und wollte jetzt gerne mal wissen wie
Wolf übersetzt heißt"
Vielen Dank
Trotz jahrelanger
Aufklärung hält sich sowohl in Medien, als auch in den Köpfen
vieler Menschen hierzulande, das Bild von den Indianern als ein Volk mit einer
gemeinsamen Sprache, einer gemeinsamen Religion und Kultur.
Wer kennt sie nicht, die Schlagzeilen in der Presse, wenn Vertreter unterschiedlicher
indigener Völker Europa besuchen und sich um Unterstützung für
ihren Widerstand gegen wirtschaftliche Interessen amerikanischer Konzerne
bemühen.
"Indianer auf dem Kriegspfad" oder "Ein Indianerhäuptling
sieht rot" oder "Die Sioux graben das Kriegsbeil aus" heißt
es dann oft. Ist der Anlass des Besuches jedoch spiritueller Natur, dann betet
plötzlich ein Lakota zum "großen Manitu", der sowohl
von den Medien als auch vom Großteil der deutschen Bevölkerung
als Gott aller Indianer gesehen wird. Mit solchen verallgemeinernden, bzw.
im ersten Falle diskriminierenden Äußerungen werden die rechtmäßigen
politischen Anliegen indianischer Gemeinschaften untergraben und als kindisch
abgetan, was letztendlich dazu führt, dass Indianer weniger Unterstützung
erhalten, weil man sie ja eh nur als verstaubte romantische Relikte aus Kindheitstagen
betrachtet. Nicht umsonst wird Menschen, die sich auch im Erwachsenenalter
noch (auf welche Weise auch immer) mit dem Thema Indianer befassen nachgesagt,
dass sie realitätsfremde Traumtänzer seien, die Probleme hätten
sich in der Gesellschaft zurechtzufinden.
Versucht man Medienvertreter über den Sachverhalt aufzuklären, so
bekommt man zur Antwort, dass die breite Masse es eben so wolle, und eine
Aufklärung nicht nötig sei. Ein Journalist, den ich einmal darauf
hinwies, dass die Lakota zu Wakan Tanka, die Apachen zu Usen und die Cheyenne
zu Maheo beten würden, und dass aus der Algonkin-Sprachfamilie stammende
Wort "Squaw" für Indianerfrau von "den Indianern"
aus Schimpfwort empfunden wird, meinte:
"Ja, das kann schon sein, aber die Leser haben jahrelang gehört,
dass die Indianer zum großen Manitu beten, die Friedenspfeife rauchen,
auf den Kriegspfad gehen und dass die Indianerfrauen "Squaws" genannt
werden. Sie haben sich daran gewöhnt, und den Leuten mangelt es an Intelligenz
zu begreifen, dass es anders ist."
Ich war sprachlos. Was bildete sich dieser Journalist (diese Meinung ist unter
Medienvertretern übrigens keine einmalige Erscheinung) eigentlich ein?
Er gab offen zu, dass er seine Leser für dumm hielt. Auf die Idee, dass
er seine Leser mit seiner Art der Berichterstattung (Bestätigung von
Klischees statt Aufklärung) absichtlich für dumm verkaufte, kam
er nicht. Wahrscheinlich haben die meisten Journalisten und Medienvertreter
kaum Lust und Zeit für vernünftige Recherche.
Was kann man nun als Einzelner, dem die Belange indianischer Menschen wirklich
am Herzen liegen, gegen die Verbreitung solcher, zum Teil wirklich rassistischer
Klischees tun?
Zunächst einmal kann nicht oft genug wiederholt werden, dass es "die
Indianer" als politische, kulturelle, sprachliche oder religiöse
Volkseinheit gar nicht gibt, und auch nie gegeben hat. Allein auf dem Gebiet
der heutigen USA leben um die 200 verschiedene indianische Stämme. Den
Begriff Indianer kann man mit der Bezeichnung Europäer gleichsetzen.
Wenn z.B. jemand einen Österreicher fragt, zu welchem Volk er gehöre,
so wird dieser mit 99%-tiger Wahrscheinlichkeit seine Nationalität und
nicht seine Rasse nennen.
Genauso verhält es sich bei "den Indianern". Sie werden nicht
sagen, "ich bin Indianer", sondern "ich bin Lakota", "Comanche",
"Kiowa", "Apache" etc.
Dieses Wissen gehört zur Allgemeinbildung, sollte man meinen, trotzdem
höre ich in Kreisen der Indianerfreunde ständig solche Floskeln
wie: "was heißt Pferd auf indianisch" daherreden. Auch
ist ständig von "indianischer Religion", bzw. "indianischer
Kultur" die Rede. Diese Unwissenheit wird von der Presse gefördert,
die den Leser absichtlich Informationen vorenthält, weil sie ihn für
zu dumm hält, die wahren Zusammenhänge zu verstehen.
Damit muss endlich Schluss sein!!!
Beginnen Sie in ihrem Bekanntenkreis mit der Aufklärung. Wann immer Sie
mit Stereotypen wie "Indianer auf dem Kriegspfad", "Manitu
ist der Gott der Indianer" oder Worten wie "Squaw" etc.
konfrontiert werden, dann klären Sie ihre Gesprächspartner auf.
Schreiben Sie Protestbriefe an Zeitungen, wenn Sie solche Schlagzeilen lesen.
Zeigen Sie, dass Sie sich von den Medien nicht für dumm verkaufen lassen.
Politische Aktionen oder Demonstrationen gegen Zerstörung heiliger Plätze,
wie sie derzeitig oft auf (ehemaligem) Indianerland geschehen, haben nichts
mit "Kriegspfad" zu tun. Wer solche Worte benutzt, gibt damit ein
Urteil ab, dass er "indianische Belange" nicht ernst nimmt und als
Kinderspiel abtut.
Helfen Sie mit, "den Indianer" als niedliches Maskottchen aus dem
Kinderzimmer heraus zu holen und bestehende Klischees abzubauen. Weitere Informationen
zum Thema Indianerklischee finden Sie unter den Rubriken Vorurteile
& Klischees, Indianisches
Horoskop und Indianer
als Werbeträger.
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